Hilfe aus dem Bienenstock

Vöhrenbach -  Imker beschäftigen sich mit einem Beiprodukt des Honigs: Propolis verspricht Linderung bei manchen Leiden.

Die Regularien des Imkervereins Bregtal im Langenbacher Hirschen waren schnell erledigt. Ein ordentliches Plus bei den Finanzen wurde Kassier Frank Gehring von den Prüfern bestätigt, und die Aktivitäten des Vorstands unter Ute Schwer fanden den Beifall aller Anwesenden. Dazu gehörte auch, dass Frank Gehring und der zweite Vorsitzende Günter Ruf ab sofort als Bienensachverständige amtieren. Fast zwei Drittel der 58 Mitglieder hörten im Anschluss, was Bernd Möller über Propolis zu berichten hatte.

Der diplomierte Biologe Möller ist vorsitzender Bienensachverständiger im Schwarzwald-Baar-Kreis. Propolis als oft verkanntes Beiprodukt der Imkerei und seine ordnungsgemäße Behandlung für Salben und Tinkturen stellte er ganz praktisch vor. Einer Standardisierung, wie bei Arzneimitteln gefordert, entzieht sich der bei jedem Volk und jeder Tracht anders zusammengesetzte Sammelabfall naturgemäß. Deshalb könne man Propolis auch nur als Kosmetika in den Handel bringen. Richtig dosiert bei Tinkturen, und sachgemäß verwendet bei akuten Verletzungen oder Dauerbeschwerden wie Hauterkrankungen, könne Propolis die Heilung fördern. „Wir dürfen keine Diagnose stellen“, mahnte Möller. Abzuklären sei auf jeden Fall, ob der Anwender allergisch reagiert, was mit ein wenig Salbe in der Armbeuge oder auf der Innenseite der Unterlippe schnell geschehen sei. „Und auf jeden Fall den Hausarzt fragen“, riet der Sachverständige Imkern und deren Kunden.

Bienenwachs macht etwa die Hälfte der Propolis aus, in den restlichen Harzen sind unter anderem Flavonoide als Wirksubstanzen. „Für die Fresszellen im menschlichen Immunsystem wirken diese Stoffe wie Doping“, erklärte der Biologe. Über 180 Wirkbestandteile seien identifiziert, viele davon als Ko-Enzyme am Stoffwechsel beteiligt. Industriell hergestellte Lebensmittel seien heute so „gereinigt“, dass stoffwechselrelevante Spurenelemente darin nicht mehr vorhanden seien.

Propolis sei bei innerer Verpilzung, Stichwort Hausschimmel, wirksam. Wundheilung bei Alterswundliegen oder Verbrennungen seien klinisch erprobt. Die Schmerz stillende Wirkung der Tinktur sei beispielsweise „zehnmal stärker als bei Novokain“. Bei Neurodermitis mindere es den Kratzzwang. Jahreszeitlich bedeutsam sei auch die hohe Wirkkraft bei der Nachbehandlung von Borreliose nach Zeckenbissen.

Vor Ort bereitete Bernd Möller dann Propolissalbe im Wasserbad zu, und jedes Mitglied durfte ein Töpfchen mit nach Haus nehmen.

Das ist Propolis

Propolis heißt „für die Stadt“, bei Bienen „für das Volk“. Als Immunstärkung, Bakterien- und sogar Virenabwehr überzieht das wie Schmutz aussehende Gemisch aus Harzen, Pollen und Knospenresten alle Oberflächen im Bienenstock. Sie stammen auch von Wundverschlüssen in Baumrinden, wo sie von spezialisierten Bienen gezielt gesammelt werden. Pro Volk und Jahr kann der Imker etwa 50 Gramm Propolis ernten.

Quelle: Südkurier 11.03.2014 von


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